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Martin Hänze und Klaus Moegling

Forschendes Lernen als selbständigkeitsorientierte Unterrichtsform: Persönliche Voraussetzungen und motivationale Wirkmechanismen

Arbeiten in Projektgruppen

Die langfristige selbständige Arbeit in Projektgruppen ist eine eher unstrukturierte Form des Lernens. Die Schüler legen selbständig ihre Ziele fest und stellen Arbeitspläne auf. Der Lehrer gibt den Schülern dabei Hilfestellungen zur Orientierung und steht ihnen beratend zur Seite. (vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 114)

Wirkmechanismen

Wie das selbstbestimmende Arbeiten von den Schülern aufgenommen wird und mit wie viel Einsatz sie die Arbeit erledigen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zwischen einigen dieser Faktoren konnten direkte Wirkungszusammenhänge festgestellt werden. (vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 121)

Intrinsische Motivation

Selbstbestimmungsorientierte Unterrichtsformen sind vor allem dann effektiv, wenn sich die Lernenden mit dieser Arbeitsform identifizieren können und dabei Interesse und Lernfreude entwickeln. Anzustreben ist eine möglichst hohe intrinsische Motivation, wobei Schüler selbstbestimmend handeln und einen hohen Tätigkeitsanreiz zeigen. (vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 115)

Grundbedürfnisse aus der Selbstbestimmungstheorie der Motivation

In der Selbstbestimmungstheorie der Motivation werden die drei Bedingungen genannt, die den Prozess hin zur intrinsischen Motivation begünstigen: Autonomie bei der Erfüllung der Aufgaben, Kompetenz zur Leistungserbringung und soziale Einbindung in die Gemeinschaft. Der Schüler soll sich im Streben nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Einbindung von seinem Umfeld unterstützt fühlen. (vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 115)

Zielorientierung

Manche Schüler kommen mit kooperativen Lernformen besser zurecht als andere. Der Grund dafür liegt darin, dass Schüler, die aufgabenorientiert handeln, das Lernen als Möglichkeit zum Erwerb oder zur Erweiterung von Kompetenzen sehen, Ich-orientierte Schüler dagegen wollen ihre Fähigkeiten beweisen.(vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 116)

Ungewissheitsorientierung

Im Hinblick auf den Umgang mit Komplexität, Unsicherheit und einer großen Fülle an Informationen unterscheidet man ungewissheitsorienterte und gewissheitsorientierte Personen. Erstere gehen die genannten Probleme direkt an, letztere halten sich lieber an Gewohntes und Vertrautes, weshalb sie sich beim kooperativen Lernen weniger wohl fühlen. (vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 116)

Leistung

Als Leistung wurde die Bewertung des Endproduktes durch den Lehrer herangezogen. (vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 117)

Einstellung

Auch die persönliche Einstellung zum kooperativen Lernen wirkt sich wesentlich auf das Arbeitsverhalten der Schüler aus. Dabei geht es vorwiegend um die Wertschätzung dieser Unterrichtsform und dem Erwerb von Wissen, das über das benötigte Fachwissen hinausgeht. (vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 120)

Durchführung der Studie

Im Voraus wurden Hypothesen zum Zusammenhang und den Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Wirkungsfaktoren aufgestellt. Um diese zu belegen, wurden 136 Schülerinnen und Schüler zu den oben genannten Themenbereichen befragt, nachdem sie ein Semester lang an einem Unterrichtsprojekt teilgenommen hatten. Daraus konnten entsprechende Rückschlüsse gezogen werden. (vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 117-121).

Ergebnisse

Grundsätzlich konnte festgestellt werden, dass die Schüler die Grundbedürfnisse wahrnehmen und positiv zum selbständigen Lernen eingestellt sind. Allerdings wird der damit verbundene hohe Arbeitsaufwand negativ bewertet. (vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 122)

Hypothesengemäß wurde in diesem Zusammenhang festgestellt, dass sich die Wahrnehmung von selbständigkeitsfördernden Umgebungsbedingungen sehr positiv auf die intrinsische Motivation auswirkt, was bedeutet, dass sich die Schüler besser mit den Lernzielen identifizieren können. Vor allem die Schüler mit einer positiven Einstellung zum kooperativen Lernen nehmen die Grundbedürfnisse intensiv wahr. Außerdem wird durch die Wahrnehmung auch eine bessere Leistung in Form eines besseren Endergebnisses erbracht. Es besteht auch ein direkter Zusammenhang zwischen der erhöhten intrinsischen Motivation und der gesteigerten Leistung. Der Grund dafür liegt darin, dass intrinsisch motivierte Schüler aufwändigere Lernstrategien einsetzen und langfristigere Lernerfolge erzielen. (vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 122)

Die Präferenz der Schüler für selbständige Lernformen hängt wie angenommen von der Ungewissheitstoleranz ab. Allerdings konnte der vermutete direkte Zusammenhang zur Leistung nicht erkannt werden. Schüler erbringen ihre Leistungen also unabhängig von ihrer Art und Weise, mit Unsicherheiten umzugehen. (vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 123)

Die Art der Zielorientierung bewies einen starken Einfluss auf die spezifische Lernmotivation der Schüler. Man fand erwartungsgemäß heraus, dass aufgabenorientierte Schüler stark intrinsisch, ich-orientierte Schüler hingegen extrinsisch motiviert sind. Zusätzlich erbringen ich-orientierte Schüler bessere Leistungen obwohl sie kooperative Lernformen grundsätzlich ablehnen. Die hohe Leistungsbereitschaft wird aus dem Drang, sich beweisen zu wollen genommen. Für langfristige Lernerfolge wäre dementsprechend eine doppelte Zielsetzung für die Schüler am effektivsten. Außerdem sollte die Lernumgebung beide Gruppen ansprechen. (vgl. Hänze & Moegling, 2004, S. 123).

Quelle

Hänze, M. & Moegling, K. (2004). Forschendes Lernen als selbständigkeitsorientierte Unterrichtsform: Persönliche Voraussetzungen und motivationale Wirkmechanismen. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 51, 113-125.

 


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