Aus der Lehre … Pädagogische Fachzeitschriften 2007

Das Hausaufgabenverhalten und die Hausaufgabenmotivation von Schülern – und was ihre Eltern darüber wissen

Schüler und Eltern wurden befragt über ihre Einschätzungen zur Hausaufgabenzeit und Ernsthaftigkeit der Bearbeitung sowie zur Sorgfalt, Selbstwirksamkeit und der Nützlichkeit der Hausaufgaben im Fach Mathematik. Die statistische Analyse der Befragung ergab, dass die Eltern-Schüler-Übereinstimmung bei der Hausaufgabenselbstwirksamkeit („Wenn ich mich / mein Kind sich anstrenge / t kann ich / es alle Hausaufgaben lösen.“) größer war als bei der Hausaufgabensorgfalt („ Mein Kind / ich erledige / t meine Hausaufgabe möglichst genau.“). Weiters kommen die Autoren zur Schlussfolgerung, dass weitere Untersuchungen im Gebiet des Wissens und Verhaltens der Eltern über den Hausaufgabenprozess ihrer Kinder angestrebt werden sollen, um somit Eltern besser anzuleiten bei einer evt. Unterstützung bei den Hausaufgaben ihrer Kinder.

Einbringung der Eltern bei Hausaufgaben

Ist es sinnvoll wenn Eltern Ihre Kinder bei den Hausaufgaben unterstützen? Aufgrund diverser Studien konnte mittlerweile festgestellt werden, dass sich Eltern teils förderlich und teils negativ bei der Erledigung von Hausaufgaben einbringen. Je weniger Eltern über die Hausaufgabenmotivation und das Hausaufgabenverhalten ihrer Kinder wissen, desto eher kann davon ausgegangen werden, dass sich dies eher als nicht förderlich erweist.

Daher wurde eine Untersuchung über das korrelieren der Einschätzungen von Kindern und wie Eltern ihre Kinder einschätzen beim Verhalten der Hausaufgabenbearbeitung gemacht. Beiden Gruppen wurden ähnliche Fragen gestellt. Von den Kindern wurde mittels Fragestellung ein Selbstbildnis zu ihrem Hausaufgabenverhalten erstellt, und von den Eltern wollte man wissen wie sie über ihr Kind denken bzw. wie dieses antworten würde. Besonderer Wert lag auf der Übereinstimmung der Antworten zwischen Eltern und Kindern.

Die Untersuchung und eventuelle Übereinstimmungen

Insgesamt wurden 418 Achtklässler im Fach Mathematik bezüglich Ihrer Hausaufgabenzeit und Ernsthaftigkeit der Bearbeitung befragt. Bei den Eltern wurden die Fragen jeweils so abgeleitet, dass sie angeben müssen wie ihr Kind auf die Fragen geantwortet hätte. Des Weiteren wurden beide Gruppen hinsichtlich der Hausaufgabensorgfalt („Ich /Mein Kind bearbeitet löse meine Hausaufgaben so gut ich/es kann.“), der Selbstwirksamkeit und der Nützlichkeit befragt.

Am wenigsten Korrespondenz herrschte bei der Hausaufgabensorgfalt, hingegen die engste Übereinstimmung bei der Selbstwirksamkeit („Wenn ich mich anstrenge, kann ich alle Mathe-Hausaufgaben lösen.“) zu finden war. Somit war die Eltern-Schüler-Übereinstimmung bei der Hausaufgabenselbstwirksamkeit größer als bei der Hausaufgabensorgfalt. Es wird davon ausgegangen, dass die Eltern ihre Kinder hinsichtlich der Motivation und dem individuellem Lern- bzw. Hausaufgabenverhalten sehr gut kennen.

Können Eltern die ihre Kinder besser kennen, diese positiv beeinflussen?

Relevant für eine förderliche, elterliche Begleitung bei den Hausaufgaben ist ein gutes Wissen der Eltern über die motivationalen  Vorraussetzungen und das Hausaufgabenverhalten ihrer Kinder. Es wurden aber noch zu wenig Untersuchungen auf diesem Gebiet des Wissens der Eltern und der jeweiligen gemeinsamen Übereinstimmung von Eltern und Schülern getätigt, um von einer allgemein gültigen Regel auszugehen.

Mittels eines Fragebogens wollte man erfahren, inwieweit Eltern über das Hausaufgabenverhalten hinsichtlich Sorgfalt und Vollständigkeit der Erledigung, der aufgewendeten Hausaufgabenzeit, der Hausaufgabenmotivation, sowie der Nützlichkeit der Hausaufgaben ihrer Kinder Bescheid wissen. Zu diesem Zweck wurden 418 Achtklässler aus 20 Schulklassen von Berliner Gymnasien und insgesamt 275 Eltern befragt. Die Eltern sollten sowohl das Fremdbild (Meine Tochter/mein Sohn profitiert von den Hausübungen) als auch das Selbstbild (Meine Tochter/mein Sohn ist der Meinung, dass…) hinsichtlich des Hausübungsverhaltens im Mathematikunterricht ihrer Kinder bewerten.

Einleitung

Eine Studie konnte belegen, dass Hausaufgaben von Eltern als auch Schülerinnen großteils als lernförderlich und als ein wichtiger Bestandteil des Lernens gesehen werden. Inwieweit Eltern jedoch über die Hausaufgabenmotivation und über das Hausaufgabenverhalten ihrer Kinder Bescheid wissen blieb bislang ungeklärt. Deshalb untersuchte diese Studie das Selbstbild der Schüler sowie das von den Eltern vermutete Fremd- und Selbstbild, und verglich wie eng diese Werte korrespondierten. Ein Großteil der Eltern sieht Hausübungen als sehr wichtig, und ist deshalb gerne bereit ihre Kinder bei der Erledigung dieser zu unterstützen. Eine solche Unterstützung kann jedoch sowohl positive als auch negative Effekte nach sich ziehen. Ob man jedoch generell sagen kann, dass die Unterstützung durch die Eltern positive Effekte nach sich zieht konnte bisher nicht belegt werden. Vermutlich hängt dies vom Alter der Schülerinnen, dem Verhalten der Eltern und der Leistungsentwicklung sowie der Motivation der Schülerinnen ab.

Untersuchung

Man untersuchte eine Stichprobe von 418 Achtklässlern (58,8 % weiblich) aus 20 Schulklassen aus acht Berliner Gymnasien. Es wurden nur jene Schülerinnen bei der Studie berücksichtigt, deren Eltern die Erlaubnis hierzu gaben. Der Fragebogen wurde von den Schülerinnen während des Unterrichts ausgefüllt. Insgesamt wurden 275 Elternfragebögen ausgefüllt (entspricht einer Rücklaufquote von 65,8 %). Die Eltern erhielten per Zufall einen Fragebogen zum vermuteten Fremd- oder einen zum Selbstbild, und füllten diesen zu Hause aus. Die Schülerinnen als auch die Eltern sollten Fragen hinsichtlich der Skalen: Hausaufgabenzeit und Ernsthaftigkeit der Bearbeitung, der Hausaufgabensorgfalt, der hausaufgabenbezogenen Selbstwirksamkeit und der wahrgenommene Nützlichkeit bzgl. der Mathematikhausaufgaben beantworten. Da bei manchen Schülern keine Elternfragebögen vorlagen führte man Korrelationsanalysen durch. Diese zeigten z.B. dass Eltern von Mädchen häufiger einen Fragebogen ausfüllten, während die Teilnahmequote von Familien deren Muttersprache nicht Deutsch war geringer ausfiel. Da die Eltern nur immer einen Fragebogen ausfüllten, vermutetes Fremd- oder Selbstbild, und einige die Teilnahme verweigerten wurden alle Mittelwertsvergleiche und Korrelationsanalysen zwei Mal durchgeführt. Einmal mit den erhaltenen Daten und ein zweites Mal nach Schätzung der fehlenden Daten.

Ergebnisse

Sowohl bei der Hausaufgabenzeit als auch bei der Ernsthaftigkeit der Hausaufgabenerledigung befanden sich die Elternangaben über den Schätzungen der Schülerinnen. Die Hausaufgabensorgfalt wurde insgesamt von Schülerinnen und Eltern als hoch eingestuft. Wobei die Eltern die Sorgfalt sowohl im vermuteten Fremd- als auch im Selbstbild höher einschätzen als die Schülerinnen sich selbst. Ebenfalls positiv fielen die Werte für die wahrgenommene Nützlichkeit der Hausaufgaben auf beiden Seiten aus. Wiederum schätzen die Eltern diese beim vermuteten Fremd- als auch beim Selbstbild höher ein als die Schülerinnen sich selbst. Auch die Selbstwirksamkeit der Schülerinnen bei den Hausaufgaben wurde von beiden Seiten positiv bewertet. So konnten hinsichtlich dieses Punktes keine signifikanten Unterschiede zwischen Schülerinnen und Eltern festgestellt werden. Insgesamt kann man sagen, dass die Übereinstimmung zwischen den Angaben der Eltern und denen der Schülerinnen für die ungleichen Skalen unterschiedlich hoch, jedoch insgesamt eher moderat ausfiel. Diese Studie sollte jedoch nicht die Eltern dazu veranlassen ihre Kinder intensiver zu unterstützen, sondern vielmehr eine Anregung darstellen mehr Untersuchen zum Hausaufgabenprozess durchzuführen.

Schüler lassen sich für Hausaufgaben motivieren

Mesmin Destina und Daphna Oyserman von der Universität von Michigan liefern in einer aktuellen Studie zumindest einen Ratschlag, wie Eltern die Motivation ihrer Kinder steigern können. Zunächst befragten die Forscher 266 Fünft- bis Achtklässler nach ihrem Traumjob. Zwar erwarteten nur 46 Prozent aller Befragten, später einen Beruf auszuüben, für den eine gute Ausbildung wichtig ist - aber genau diese 46 Prozent investierten am meisten Zeit in ihre Hausaufgaben und hatten auch die besten Noten. In einem zweiten Test verteilten Destina und Oyserman 295 Schüler in zwei Gruppen. Die eine bekam einen Vortrag über den Zusammenhang von intensivem Lernen und erfolgreichen Berufen, die andere erfuhr etwas über die hohen Einkommen von Sportlern, Musikern und Schauspielern. Nach den Vorträgen wurde beiden Gruppen die Möglichkeit gegeben, Pluspunkte für das laufende Schuljahr sammeln, wenn sie eine freiwillige Extra-Hausaufgabe übernahmen. Resultat: Von der ersten Gruppe entschieden sich achtmal mehr Schüler für die Zusatzarbeit.

Quelle

Kropf, Michaela & Trautwein, Ulrich (2004). Das Hausaufgabenverhalten und die Hausaufgabenmotivation von Schülern – und was ihre Eltern darüber wissen. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 51 , 137-152.


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