Aus Fachzeitschriften

Michael Bock, Annemarie Kirberg und Thomas Windgasse

Absichtsvolles versus beiläufiges Lernen beim Fernsehen

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Untersuchung 1
Hier wurde einigen Testpersonen ein Film gezeigt der in mehrere Sequenzen unterteilt war. Für jeden dieser Beiträge bekamen die Personen verschiedene Aufgaben zugewiesen. Je nach Abschnitt entweder eine formale, eine schematische oder eine unspezifische Aufgabe.
Bei den formellen Aufgaben handelte es sich darum, dass die Versuchspersonen auf das Wort und im Beitrag achten mussten. Bei anschließenden Behaltenstests über den Inhalt schnitten diese Personen am schlechtesten ab. Bei den sematischen Aufgaben sollten sie versuchen, die Inhalte zu verbinden. Den Personen mit unspezifischen Behaltensaufgaben wurde mitgeteilt, dass sie sich die Filminhalte möglichst gut einprägen sollten (vgl. Bock, 1992, S.146). Aus den Untersuchungen ging hervor dass, die beiden letztgenannten Aufgabenmuster zu ähnlich guten Leistungen führen.
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass es keine Rolle spielt, ob die Versuchspersonen die Behaltensprüfung erwarteten oder nicht und wie lange sie sich mit dem Filmbeitrag auseinander setzten. Bedeutsam war lediglich, wie sie dies taten. (vgl. Bock, 1992, S. 149)

Untersuchung 2
Auch hierfür wurden einige Testpersonen herangezogen. Laut Keenan und Baillet (1980) und Kuiper und Rogers (1979) verursacht die Aufgabe, Wörter im Hinblick auf die eigene Person zu bewerten, noch bessere Behaltensleistungen als eine semantische Klassifikationsaufgabe oder eine Bewertung im Hinblick auf eine andere Person wie etwas einen Politiker (siehe Bock, 1992, S.150).
Der Grund dafür liege in Gedächtnis der Menschen, da Informationen zur eigenen Person in einem eigenständigen Schema abgelegt werden. Da dies eine sehr große Menge an Informationen darstellt, können auch Wörter und Aufgaben durch einen Selbstbezug in das Selbstschema eingeordnet und besser verarbeitet werden.
Anders allerdings ist es bei einer Person, die einem persönlich eher fern steht zB ein Politiker. Die Informationen zu dieser Person sind weniger zahlreich und deshalb können schwerer Verbindungen hergestellt werden.
In der Untersuchung wurde wieder derselbe Film gezeigt wie beider ersten Untersuchung, aber diesmal wurden zwei neue Aufgaben gestellt. Die Personen mussten einen Selbstbezug herstellen und die anderen einen Fremdbezug (zB Politiker) und eine dritte Gruppe bekam wieder eine sematische Aufgabe.
Laut Keenan sollte der Selbstbezug die besseren Leistungen erzielen. Bei der vorliegenden Untersuchung jedoch verhielt es sich umgekehrt. Nach Rogers ist dies damit zu erklären, dass die ersten beiden Beiträge persönlich irrelevant waren, so dass die Einordnung in das Selbstschema erschwert wurde. (vgl. Bock, 1992, S. 152)
Die Annahme, dass der Selbstbezug zu einer besonderen Verarbeitung führt und deshalb für das Behalten prinzipiell günstiger ist als andere Verarbeitungsformen, lässt sich deshalb nicht aufrecht erhalten. (vgl. Bock, 1992, S. 153)

Diese beiden Untersuchungen zeigten, dass für die Verarbeitung der Informationen weniger die Orientierungsaufgaben, als die Aufbereitung des Films (formale und inhaltliche Gestaltung des Films) verantwortlich waren.

Siehe dazu Fernsehen im Vorschulalter beeinträchtigt nachhaltig die Hirnentwicklung

Quelle

Bock Michael, Kirberg Annemarie und Windgasse Thomas (1992). Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie. Band XXIV, Heft 2, 144-155

 


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