Aus Psychologischen Fachzeitschriften

Klaus Stiller

Lernstrategien und Lernerfolg beim computerbasierten Wissenserwerb 

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Schlüsselbegriffe

Computerunterstütztes Lernen, Lernstrategien, textbasiertes Lernen, Bildbasiertes Lernen

Lernstrategien

Der Einsatz und die adäquate Nutzung kognitiver, metakognitiver, motivationaler und verhaltensbezogener Strategien werden als zentrales Moment kompetenten Lernens erachtet (Friedrich & Mandl, 1992, Eiwan, 1998).

Kognitive Strategien

Zu den kognitiven Strategien gehören insbesondere Wiederholungs-, Elaborations- und Organisationsstrategien.

Zu den Wiederholungsstrategien zählen Aktivitäten, welche neue Informationen ständig memorieren. Wiederholungen erhöhen die Übertrittswahrscheinlichkeit der Informationen aus dem Arbeitsspeicher ins Langzeitgedächtnis.

Elaborationsstrategien zielen auf die aktive Verknüpfung neuer Informationen mit dem Vorwissen ab. Dazu zählen Techniken wie Sätze umschreiben, Vorstellungsbilder entwickeln, Analogien finden, sich Beispiele ausdenken und Informationen mit persönlichen Ereignissen oder Erfahrungen verbinden.

Organisierende Strategien nehmen eine zentrale Stellung beim Lernen mit komplexen und umfangreichen Materialien ein. Lernende reduzieren Informationen, strukturieren sie und beziehen sie aufeinander, indem z. B. Informationen gruppiert und ihre Beziehungen in Diagrammen visualisiert werden.

Metakognitive Strategien

Zu den metakognitiven Strategien gehören solche der Kontrolle und Steuerung kognitiver Prozesse. Sie dienen der Planung geeigneter Vorgehensweisen, der Überwachung, und der Steuerung des Ablaufs sowie der Bewertung der Ergebnisse.

Ressourcenbezogene Strategien

Bei den ressourcenbezogenen Lernstrategien handelt es sich um Selbstmanagementstrategien, welche das Lernen insgesamt unterstützen und vor äußeren Einflüssen abschirmen (Friedrich & Mandl, 1992). Dazu gehören u. a. Strategien der Selbstmotivierung, der Zeitplanung, der Aufmerksamkeitssteuerung, der Abschirmung gegen konkurrierende Handlungstendenzen usw.

Lernstrategien beim Lernen mit Computern und Bildern

Erst in den 90er Jahren ging man dazu über, die Verarbeitungsaktivitäten der Lernenden beim Lernen mit dem Computer und mit Bildern vermehrt zu beachten und systematisch zu untersuchen.

Lernerfolge und Lernstrategien beim Lernen mit dem Computer

Eiwan (1998) untersuchte die Zusammenhänge zwischen Lernstrategien und Behaltensleistung bzgl. Text- und Bildinformationen beim Wissenserwerb mit einem linearen und frei navigierbaren Lernprogramm zum Thema Gehirn.

Lernerfolge und Lernstrategien beim Lernen mit Bildern

Bilder können beim Lernen mit Texten das Behalten und Verstehen von Textinformationen fördern (Levie & Lentz, 1982, Levin, Anglin & Carney, 1987). Die Integration von Bildern wurde daher als ein Gestaltungselement von Texten an gesehen, welches zu verbesserten Lernaktivitäten verhelfen kann.

Fragestellung

Wenn die Verarbeitungsleistungen letztendlich die Güte der Gedächtnisrepräsentation und damit z. T. auch die Performanz in den Wissenstests bestimmen, dann kann man annehmen, dass sich in verschiedenen Lernprogrammen, die unterschiedliche Anforderungen an die Verarbeitungsleistungen der Lernenden stellen, einzelne Lernstrategien gegenüber anderen Strategien als adäquater für ein erfolgreiches Lernen herausstellen. Daher soll untersucht werden, welche in der Lernsituation mit dem Computer allgemein eingesetzten  und welche speziell auf Bilder bezogenen Lernstrategien mit der Lernleistung korrespondieren.

Methode Stichprobe, Untersuchungsablauf und Auswertung, Beschreibung der

Lernprogramme, Erhebungsinstrumente,

Ergebnisse Insgesamt wurden 14 von 16 multiplen Korrelationen zwischen den

Lernstrategien und dem Vorwissen einerseits und dem Text- und Bildwissen andererseits signifikant, zwei Korrelationen überschritten nur knapp das Signifikanzniveau. Zwischen 54% und 88% der Varianz der Lernleistungen wurden aufgeklärt.

Fazit 

Nach Eiwan (1998) bieten interaktive Programme den Lernenden viele Freiheiten und erfordern entsprechende Entscheidungen. Lernende müssen den Lernstoff zu einem gewissen Grad strukturieren und organisieren. Eine hohe Entscheidungsfreiheit über den Lernfortgang erfordert deshalb den vermehrten Einsatz flexibler elaborierender und metakognitiver Lernstrategien. Für Lernsituationen mit wenig Spielraum sind ressourcenbezogene Strategien ausreichend (Eiwan, 1998).

Quelle

Stiller, K. (2003) Lernstrategien und Lernerfolge beim computerbasierten Wissenserwerb. In H. Rauh, E. Hany, A. Krapp & S. Walper (Hrsg.), Psychologie in Erziehung und Unterricht (S. 258-269). München, Basel: Ernst Reinhardt.


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