Aus Fachzeitschriften

Arnold Lohaus, Anke Beyer und Johannes Klein-Heßling

Stresserleben und Stresssymptomatik bei Kindern und Jugendlichen

Lohaus, Beyer & Klein-Heßling analysieren mit ihrer Untersuchung, wie hoch physische und psychische Symptomatiken von Kindern und Jugendlichen mit Stresserleben zusammenhängen, um vorbeugende Maßnahmen entwickeln zu können. Außerdem wurde geprüft, ob auch dann noch ein Zusammenhang zwischen physischer und psychischer Symptomatik und Stresserleben besteht, wenn alternative Ursachen für Beschwerden ausgeschlossen werden können. Es wurden daher Einflussfaktoren, wie akute und chronische Erkrankungen erhoben (S. 39). Das Alter und Geschlecht wurden ebenfalls berücksichtigt, da diese, laut früherer Untersuchungen, Einflussfaktoren sein können (Rudolph & Hammen 1999, nach Lohaus et al. 2004, S. 39).

Zur Erhebung der physischen Symptomatik wurde nach Kopfschmerzen, Unruhe/Nervosität, Schwindel, Schlafprobleme, Bauchschmerzen, Konzentrationsprobleme, Herzklopfen, Zittern der Hände, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schweißausbrüche, Alpträume sowie Atembeschwerden gefragt.

Für die Erhebung der psychischen Symptome enthielt die Befragung folgende Punkte: Wut, Ärger, Erschöpfung, Traurigkeit, Überforderung, Anspannung, Unzufriedenheit, Einsamkeit, Angst, Hilflosigkeit und Schuldgefühle. Es wurde auch nach akuten und chronischen Erkrankungen gefragt, um festzustellen, ob körperliche Erkrankungen aufgrund von Symptomatiken auftreten (vgl. Lohaus et al. 2004, S. 40).

Lohaus et al. (2004, S. 41) bezogen die Bereiche Schule (z.B. schwere Klassenarbeit), Familie (z.B. von den Eltern kritisiert zu werden), Freizeit und Freunde (z.B. nicht gemocht werden bzw. Langeweile haben) sowie Selbst (z.B. um mein Aussehen besorgt zu sein bzw. meine Ziele nicht erreichen zu können) in die Befragung ein.

Die Untersuchung von Lohaus et al. zeigt, dass die psychische Symptomatik in einer höheren Klassenstufe stärker ausgeprägt ist. Das Stresserleben nimmt ebenfalls mit einer steigenden Klassenstufe zu. Die physische und psychische Symptomatik sowie das Stresserleben ist bei Mädchen höher. Das Ergebnis der physischen und psychischen Symptome wurde nicht bedeutend beeinflusst, als man die Auswertungen der Schüler ausschloss, die innerhalb des Befragungszeitraums akute oder chronische Erkrankungen hatten. Es besteht auch ein hoher Zusammenhang zwischen dem Ausmaß des Stresserlebens und der Häufigkeit von physischen und psychischen Symptomatiken (S. 42ff).

Bei dem Resultat ist jedoch zu bedenken, dass Mädchen eher bereit sind ihre Stresserlebnisse und Symptomatiken mitzuteilen als Jungs. Außerdem setzt man sich in einer höheren Klassenstufe verstärkt mit der eigenen Person auseinander als in einer niedrigen Klassenstufe (vgl. Lohaus et al. 2004, S. 45).

Nach Lohaus et al. sollen bereits im Schulalter Stressbewältigungsprogramme eingesetzt werden. Es ist die soziale Umgebung der Schüler so zu gestalten, damit Stresssituationen besser bewältigt werden können. Dazu müssen auch Lehrer und Eltern miteinbezogen werden (S. 46).

Quelle

Lohaus, A., Beyer, A. & Klein-Heßling, J. (2004). Stresserleben und Stresssymptomatik bei Kindern und Jugendlichen. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 36, 38-46.

Buchempfehlung
Vera Kaltwasser: Achtsamkeit in der Schule

Stille-Inseln im Unterricht: Entspannung und Konzentration

Wie aus einer Haltung der Achtsamkeit heraus sich die Selbstwahrnehmung von Schülerinnen und Schülern verfeinert und ihre Selbstkompetenz sich erhöht, das erläutert in diesem Buch. Von den jüngsten Erkenntnissen der Hirnforschung und der Psychologie über das enge Wechselspiel zwischen Körper, Geist und Gefühlen spannt die Autorin den Bogen zu praktischen Konsequenzen für den Unterricht. Erstmals wird hier ein prozessorientiertes Konzept vorgestellt, das die Kraft der Stille und der Selbstbesinnung für Kinder und Jugendliche erschlieflt. Die Schüler werden zu Forschern in eigener Sache und lernen, wie sie selbsttätig Stress bewältigen und innere Anspannung lösen können. Die Achtsamkeitsphasen, in denen auch mit ‹bungen aus dem QiGong gearbeitet wird, lassen sich nahtlos und mit geringem Aufwand in den Schulalltag einflechten. Ab der fünften Klasse (aber auch schon in der Grundschule) bis zum Abitur kann die Schulung der Achtsamkeit entscheidend zur Persönlichkeitsentfaltung beitragen.


Zu weiteren Fachartikeln - Diesen Artikel diskutieren



Zum Thema passend:

impressum stangl.eu