Psychologische Begriffsbestimmungen 2006/7

Synthese

Der Begriff Synthese, leitet sich aus dem Griechischen σύνθεσις, sýnthesis- die Zusammensetzung, Zusammenfassung, Verknüpfung, und meint die Vereinigung von zwei oder mehr Elementen (Bestandteilen) zu einer neuen (großen) Einheit. Oftmals wird mit dem Ausdruck "Synthese" auch das Ganze selbst, das heißt das Resultat der synthetischen Tätigkeit, bezeichnet. Die Synthese ist untrennbar verbunden mit dem ihr entgegengesetzten Verfahren der Analyse. In der Naturwissenschaft ist Synthese auf Materie (zum Beispiel Chemische Synthese von Stoffen) bezogen und in der Geisteswissenschaft abstrakt zu verstehen, daher synthetisch im Sinne einer synthetisierenden Sprache: synthetischer Sprachbau. Die Philosophie versteht unter Synthese, nach Abwägung von Pro- und Kontra (Dialektik), das Erstellen einer neuen Theorie.

1. Definition:

„Synthese

1.)  Wörtl. die Zusammenführung zweier unterschiedlicher Standpunkte zu einer neuen, gemeinsamen Aussage.

2.)  Im kognitiven Lernzielbereich ist Synthese diejenige Stufe, auf der einzelne Vorgänge, Informationen etc. durch einen Denkprozeß (sic!) zu einem sinnvollen Ganzen vereint werden soll (Vgl. Lexikon der AUSBILDUNGSPRAXIS 1975, S. 223).

2.Definition:

„Synthese (griech. sýnthesis, zu syntithénai >zusammensetzen<; >zusammenstellen<) die, -/-n,

1.)    bildungssprachlich für: Zusammenfügung, gedankl. Verknüpfung einzelner Teile zu einem Ganzen.

2.)    Chemie: Herstellung chem. Verbindungen aus i. d. R. einfacher aufgebauten Stoffen. Die S. dient zur Herstellung von Arzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln, Farbstoffen, Tensiden, Kunststoffen u.a. Produkten, aber auch zur Lösung theoret. Probleme (z.B. Strukturaufklärung von Naturstoffen durch Total-S.). Im Labormaßstab (Stoffmassen im Milligramm- bis Kilogrammbereich) wird ein möglichst geringer experimenteller Aufwand angestrebt. wirtschaftl. Aspekte (z.B. teure Chemikalien, Energiekosten) spielen hier i. d. R. keine Rolle. Bei techn. S. (Stoffmassen 1000 bis 100 000 t/Jahr und mehr) stehen wirtschaftl. Überlegungen und die Beseitigung oder Rückführung von Nebenprodukten im Vordergrund. Durch à asymmetrische Synthese werden Naturstoffe oder biologisch aktive Verbindungen mit ganz bestimmter Konfiguration aufgebaut (à Stereochemie). Unter dem Einfluß (sic!) von Enzymen ablaufende S. werden als Biosynthese bezeichnet. – Mit dem Zusatz >S.< werden häufig künstlich hergestellte Produkte gekennzeichnet (z. B. S.-Kautschuk, S.-Öle, S.-Benzin).

3.)    Philosophie: die Einigung mehrerer Anschauungs- oder Erkenntnisinhalte zu einem Ganzen. Im Aufbau der Wahrnehmung vollzieht sich die S. zumeist unbewußt  (sic!) im Zusammenwirken der einzelnen Sinne, der Einbildungskraft und des Gedächtnisses. Die bewußt (sic!) geübte S. ist die der Analyse entgegengesetzte, diese ergänzende Methode zur Gewinnung von Erkenntnissen. So wird z. B. aus Urbegriffen ein zusammengesetzter begriff, aus Begriffen ein Urteil gebildet. Mehrere Einzelerkenntnisse werden zu einem Lehrgebäude (System) vereinigt. – Der Begriff S. findet sich zuerst in der griech. Philosophie und bezeichnet gewöhnlich die Verbindung des Subjekts mit dem Prädikat im Satz, so bei Aristoteles. I. Kant bezeichnet jegl. >Verbindung des Mannigfaltigen< der sinnl. oder nichtsinnl. Anschauung als >Verstandeshandlung<  der >Synthesis<. Diese Verbindung zeitigt die >synthet. Einheit des Mannigfaltigen< und wird ermöglicht durch die Vorstellung der Einheit, die in dem >Ich denke< gründet, das >alle meine Vorstellungen begleiten können< muß (sic!), d.h. in der >transzendentalen Einheit des Selbstbewußtseins (sic!)< bzw. der >Synthesis der transzentalen Apperzeption< (Vgl. Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden, Einundzwanzigster Band Sr – Teo 1993, S. 537).

3.Definition:

Philip Zimbardo schreibt in seinem Buch Psychologie davon, dass auch Kreativität eine Synthese erfordert. Wer kreativ ist besitzt die „Fähigkeit Verbindungen zu knüpfen und diese Beobachtungen oder Vorstellungen auf neue, bedeutsame Art und Weise zusammenzubringen“ (Zimbardo 1988, S. 536).

4.Definition:

Wenn ein Schüler zum Beispiel versucht, „an einem geschichtlichen Quellentext die Motive sozialpolitischer Entscheidungen zu ergründen“, so liegt in diesem Fall „unbeschadet ihrer fachlichen Besonderheit Analyse und Synthese vor.“

a) Bei der Analyse geht es nicht um das „Teilen und Zerlegen, Atomisieren oder Isolieren einer Aufgabe.“ Die Analyse richtet sich vielmehr „auf das Verhältnis von Einzelheiten, besser: von Vereinzelungen und deren Bedingungen.“ „Analyse tendiert dahin, das Vereinzelte als Moment eines umgreifenden und bedingenden Zusammenhanges zu fassen, tendiert also selber auf das Erfassen des Ganzen, auf Erkenntnis und Überschau, auf Synthese.

b) „Synthese meint dementsprechend nicht das – womöglich von der Analyse zeitlich getrennte – Zusammensetzen vorher einzeln behandelter Teile. Synthese ist zu verstehen als die jeweilige à Konzentration vorangegangener Argumente im Hinblick auf das, was sie als Bedingung zusammenhält. Synthese bedeutet also Überschauen vollzogener à Akte, um zu erneuter Analyse fähig zu werden. „

c) Somit trägt prinzipiell „jeder Akt im Lernprozeß (sic!) analytisch-synthetischen Charakter. Ob er als Analyse oder Synthese angesehen und beurteilt wird, ist vom Schüler abhängig, von seinem Verhältnis zur Lösung der Aufgabe. Nur er selbst kann >feststellen<, wann eine Aufgabe im Sinne einer Synthese durch Antwort und Urteil >gelöst< ist;“ Es ist auch dem Schüler überlassen, ob er es für notwendig hält, dass „weitere analytische Glieder als Fragen und Argumente für eine >endgültige< Synthese notwendig sind“ (Vgl. Grundbegriffe der pädagogischen Fachsprache 1974, S. 15).

5.Definition:

Die Wissenschaftstheorie erkennt eine Synthese im Zusammensetzen einer Hypothese. Hypothesen bestehen demnach aus synthetischen Aussagen und neu zusammengestellten Aussagen, die überprüft, nachgewiesen oder widerlegt werden müssen (vgl. Dauenhauer 1973, S. 104 ff).

Literaturverzeichnis:

Brockhaus Enzyklopädie (1993): In vierundzwanzig Bänden. Einundzwanzigster Band Sr – Teo. Mannheim: F.A. Brockhaus.

Dauenhauer, E. (1973): Wirtschaftstheorie, Wirtschaftspädagogik, Arbeitslehre.   Bad Homburg: Gehlen Verlag.

Ipfling, H.-J., Hrsg. (1974): Grundbegriffe der pädagogischen Fachsprache. München: Ehrenwirt Verlag.

Paulik, H., Hrsg. (1975): Lexikon der Ausbildungspraxis. München: Verlag Moderne Industrie.

Zimbardo, P. (1988: Psychologie. Wien: Springer Verlag

Synthese kommt vom griechischen Wort synthesis was „Zusammensetzung, Zusammenfassung und/oder Verknüpfung“ heißt. Sie bezeichnet den „Umfang (Vereinigung) von zwei oder mehr Elementen (Bestandteilen) zu einer neuen Einheit.“ Oft bezeichnet die Synthese auch das „Ganze selbst, das Resultat der synthetischen Tätigkeit. Die Synthese ist untrennbar verbunden mit dem ihr entgegengesetzten Verfahren, der Analyse. In der Naturwissenschaft ist Synthese auf Materie (z.B.: Chemische Synthese von Stoffen) bezogen und in der Geisteswissenschaft abstrakt zu verstehen (z.B.: Zusammenstellen einer neuen Metapher). Die Philosophie versteht unter Synthese, nach abwägen von Pro- und Kontra, das Erstellen einer neuen Lehräußerung oder Theorie (vgl. Der Brock Haus 2005, S.879). 

Auch Kreativität erordert eine Synthese. Wer kreativ ist besitzt die „Fähigkeit Verbindungen zu knüpfen und diese Beobachtungen oder Vorstellungen auf neue, bedeutsame Art und Weise zusammenzubringen“ (Zimbardo 1988, S. 536). 

Synthesen können auch beim Unterrichten nützlich sein. Das „Zerlegen (Analysieren) und Zusammensetzen (Synthese) gehört zu den klassischen methodischen Gestaltungsmittel.“ (Mayer 1982, S.215).Beispiele dafür wären das Zusammensetzten von Wörtern zu Sätzen oder das Zusammenfügen der Einzelteile beim Bauen einer Maschine (vgl. Mayer 1982, S.215). 

Auch im Personalwesen kommen Synthesen vor. Wenn man Anforderungseigenschaften für einen Arbeitsplatz zusammenfasst, nennt man dies „Synthetisierung eigenschaftsbezogener Anforderungsprofile“ (Schuler 2001, S. 135). Dabei werden den Arbeitselementen Eigenschaften, nach ihrer Bedeutung, zugeordnet. „Diese Zuordnungen sind als Hypothesen aufzufassen, die einer Prüfung bedürfen. Als Ergebnis der Einschätzungen entsteht eine Matrix, welche die Fähigkeits- und Interessensdimensionen enthält“ (Schuler 2001, S. 135). 

Die Wissenschaftstheorie sieht eine Synthese im Zusammensetzen einer Hypothese. Hypothesen bestehen also aus synthetischen Aussagen, neu zusammengestellten Aussagen, die überprüft, nachgewiesen oder widerlegt werden müssen (vgl. Dauenhauer 1973, S. 104 ff). 

Synthese ist also immer eine Art von Zusammensetzung oder Zusammenfassung, egal auf welchem Gebiet. Das Wort behält seine Bedeutung immer bei. Wenn etwas Neues entstehen soll, ist eine Synthese notwendig, also ein umformen/neu ordnen bisherigen Wissens. Im Alltag können wir ständig Synthesen beobachten, sie sind ein Bestandteil eines jeden Lebens. Auch die Forschung strebt nach Neuem und versucht Synthesen zu vollbringen, man nennt ihre Ergebnisse dann Fortschritt.

Verwendete Literatur

Brock Haus (2005). Der Brockhaus in einem Band. Jubiläumsedition.Leipzig: F.A. BrockhausGmbH.

Dauenhauer, Erich (1973). Wirtschaftstheorie, Wirtschaftspädagogik, Arbeitslehre.   Bad Homburg: Gehlen Verlag.

Mayer, Herbert (1982). Unterrichtsmethoden. II. Praxisband. Frankfurt: Cornelsen Verlag.

Schuler, Heinz (2001). Lehrbuch der Personalpsychologie. Göttingen: Hogrefe Verlag.

Zimbardo, Philip (1988). Psychologie. Wien: Springer Verlag.


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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