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Motivationstheorien für den Unterricht – ein Mythos? 

Motiv/Motivation in der Schule

Jedem Menschen sind von der Geburt an Motive angeboren. Durch die verschiedensten Entwicklungen betreffend deren Ausprägungen entwickelt jeder Mensch im Laufe der Zeit sein eigenes Motivationsprofil. Beispiele für Motive wären hier: Ehrgeiz, Machtstreben, Neugier, Streben nach sozialer Akzeptanz, … (vgl. Stangl, Motive und Motivation).

Derartige Ziele, bzw. Motive, sind bei jedem Menschen so unterschiedlich ausgeprägt, dass kaum zwei Schüler in einer Klasse sitzen werden, deren Motivationsprofil vergleichbar ist. Dies führt zu der Erkenntnis, dass der Lehrer seine Schüler nicht von außen motivieren kann, sondern jeder für seine eigene Motivation selbst verantwortlich ist (vgl. Stangl, Von der Unmöglichkeit zur Motivation in der Schule).

Während der Ausbildung zu einer Lehrkraft beschäftigen sich Studenten bei jeder Unterrichtsplanung immer wieder mit dem gleichen Problem: Wie motiviere ich meine Schüler richtig? Letztendlich wird aber häufig durch einen „motivierenden Unterrichtseinstieg“ den Schülern die Chance genommen, sich ernsthaft für das Thema zu interessieren, da mit sämtlichen Tricks versucht wird, das eigentliche Lernziel durch Spiele, Übungen, … zu überspielen. Am Ende der Unterrichtseinheit ist die Klasse dann oft gefüllt mit mehr oder weniger gelangweilten Schülern, die keine Ahnung haben, was sie an diesem Tag gelernt haben.

Schon die beiden Autoren Jochen und Monika Grell erklärten in ihrem Werk Unterrichtsrezepte (1985) die weit verbreiteten und immer wieder angewandten Motivationstheorien für unsinnig.

Einwände gegen die Motivation durch den Lehrer

(vgl. Grell & Grell 1985, S. 135 ff)

Der Begriff Motivation ist kaum abgegrenzt. „Motivation“ kann beinahe alles bedeuten und ist vielfach zur Zauberformel geworden.

Durch die Unterscheidung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation kam es zu der Feststellung, dass man Motivationszustände bei Schülern entweder von außen einschalten kann oder dass sie diesen Zustand selbständig von innen einschalten. Es besteht der verbreitete Irrglaube, dass man Schüler dadurch motivieren kann, indem man das selbstständige innerliche Einschalten des Motivationszustandes durch geschickte Motivation von außen anschaltet. Wie aber schon erwähnt, kann man nicht eine ganze Klasse auf die gleiche Art und Weise motivieren. Das Vorhaben, die Schüler intrinsisch zu motivieren, setzt Lehrer nur unnötig unter Druck.

Ein weiterer, durch Theoretiker verbreiteter Aberglaube ist die Annahme, dass Motivation immer zu Unterrichtsbeginn durch den Lehrer zu erfolgen hat. Am besten dann auch noch so ausgiebig, dass die „Massenmotivation“ der gesamten Klasse für die komplette Unterrichtseinheit ausreicht.

Durch die allgemein gehaltene Definition von Motivation gibt es keine Hilfe leistenden Rezeptvorschläge, wie Motivation auszusehen hat. Wie kann ich die Schüler motivieren und welche Effekte sind der Beweis für motivierte Schüler? Die Motivation der Schüler wird nicht beschrieben und nicht gemessen. Als Lehrer geht man davon aus, dass eine vom Unterricht gefesselte Klasse motiviert ist. Aber stimmt das? Wissenschaftlich gibt es hierfür keine Antwort.

Es wird zudem immer davon ausgegangen, dass eine motivierende Stundeneingangsphase den langfristigen Lernerfolg erhöht. Aber auch hier gibt es keine wissenschaftlichen Beweise. Es gibt keine Untersuchungen die belegen, dass die Schüler anschließend mehr lernen oder sich mehr merken als aufgrund einer „herkömmlichen“ Unterrichtseingangsphase.

Schüler durch Motivation auf die falsche Fährte locken

„Die Schüler werden durch den prunkvollen Motivationszauber am Stundenbeginn allzu oft auf eine falsche Fährte gelockt, sodass die vom Lehrer ausgelösten Lernaktivitäten von den angestrebten Lernzielen fortführen“ (Grell, Grell 1985, S. 144).

Oft gehen Lehrer schon im Vorhinein davon aus, dass der Inhalt der kommenden Einheit die Schüler langweilt. Aus diesem Grund sehen sie sich gezwungen, einen motivierenden Unterrichtseinstieg zu gestalten, damit die Schüler aufgrund ihrer Euphorie für den Unterricht gar nicht merken, die langweilig der Lernstoff eigentlich ist. Durch das Einbringen von Spielen, besonderen Aktivitäten, Geschichten oder ähnlichem werden die Schüler zwar teilweise zur Begeisterung angeregt, werden aber in nicht seltenen Fällen vom tatsächlichen Lernziel abgelenkt und wissen im Nachhinein oft nicht, was sie eigentlich gelernt haben sollen.

Es ist für den Lernerfolg sicher vorteilhaft, wenn die Schüler Spaß am Unterricht und Interesse am vorgetragenen Stoff haben. Aus diesem Grund ist es aber wichtig, die Schüler als Menschen anzusehen, denen am Stundenanfang zuerst einmal klar und deutlich erklärt wird, was sie in der kommenden Stunde erwartet. Sind sich die Schüler dann über das Lernziel klar, können auch interessante Unterrichtsformen und -varianten eingebraucht werden um somit den Spaß am Unterricht zu unterstützen. Am Ende der Stunde sind sich die Schüler aber trotz eines „motivierenden“ Unterrichts darüber bewusst, dass sie etwas gelernt haben.

Eine Reihe von gut verständlichen Fallbeispielen zur Problematik „Motivation“ finden Sie im Werk „Unterrichtsrezepte; Exkurs: Warum eignen sich Motivationstheorien nicht für die Konstruktion von Handlungsrezepten“ (Grell & Grell 1985, S. 135 ff.). 

Verwendete Literatur

Grell, J. & Grell, M. (1985). Unterrichtsrezepte. Exkurs: Warum eignen sich Motivationstheorien nicht für die Konstruktion von Handlungsrezepten (S. 135-153). Weinheim: Beltz.

Stangl, W. Motive und Motivation. Online im Internet: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MOTIVATION/

(06-05-26)

Stangl, W. Von der Unmöglichkeit zur Motivation in der Schule. Online im Internet: http://www.stangl-taller.at/STANGL/WERNER/BERUF/PUBLIKATIONEN/Motivation.html (06-05-18)


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