Übergänge … Von der Kindheit zur Jugend

Cool-Sein über alles

Wenn ich so nach einigen Jahren auf die Zeit des Übergangs von der Kindheit auf meine Jugendzeit zurückblicke, so muss ich in der Retrospektive feststellen, dass dieser Übergang eigentlich sehr „reibungslos“ funktionierte. Abgesehen von körperlichen und hormonellen Veränderungen fällt es mir aus heutiger Sicht schwer, mich an Erlebnisse zu erinnern, die für diesen Übergang besonders markant und erwähnenswert wären.

Mit dem Wechsel von der Volksschule in die Hauptschule änderte sich natürlich einiges. Plötzlich war es wichtig, wie man gekleidet war, wie man sein Haar trug, ob man sich in der Pop-Szene auskannte und englische Texte halbwüchsiger Boygroup-Bands mitsingen konnte. „Cool-Sein“ ging über alles. Ich kann mich erinnern, wie mir das alles gegen den Strich ging. Zugegeben, ich war wohl noch etwas verspielter und kindischer als die anderen und durch meine „Anti-cool-Masche“ nicht unter den „Alphatieren“ in meiner Klasse. Auch mein Interesse für das andere Geschlecht war mit 12/13 Jahren noch nicht so stark ausgeprägt, wie das der Vielzahl meiner Schulkolleginnen. Ich weiß noch heute, wie ich mich über das hysterische Gekreische meiner Kolleginnen lustig gemacht hab, wenn der Mädchenschwarm der ganzen Schule ihnen im Vorbeigehen zuzwinkerte.

Mein Freundeskreis konzentrierte sich damals fast ausschließlich auf die Jugendgruppe unserer Pfarre. Im Alter von 8 Jahren bin ich damals zur Jungschar gekommen und dieser bis zu meinem 18ten Lebensjahr treu geblieben. Möglicherweise kommt mir dieser Übergang vom Kind zum Jugendlichen auch deshalb so nahtlos vor, weil in der Jungschar Gruppen unterschiedlichsten Alters so viele gemeinsame Aktivitäten unternahmen und jeder um jeden bemüht war. Wie alt oder wie cool jemand war, war nebensächlich. In meiner Entwicklung hat diese Gemeinschaft einen sehr wichtigen Beitrag geleistet.

Das Verhältnis zu meinen Eltern und meiner Familie war auch in dieser pubertären Übergangsphase sehr gut. Das Thema ‚Vertrauen’ wurde bei uns immer groß geschrieben. Meine Eltern stellten kaum Spielregeln auf. Sie gaben mir das Gefühl, dass sie mir vertrauten und dass ich selbst am besten wisse wie ich mich zu verhalten habe, denn schließlich war ich ja kein Kind mehr. Ich erinnere mich aber noch an Situationen, wo ich begonnen hatte, gewisse Aussagen und Handlungen meiner Eltern kritischer zu hinterfragen - was ja zuvor undenkbar war. Denn als Kind war für mich klar, dass Eltern allein aus ihrer Legitimation als Eltern nur richtige Entscheidungen treffen (es sei denn sie schimpften ;-)) Es war wohl für alle eine große Herausforderung. Meine Eltern wurden mit kritischen, hinterfragenden Fragen konfrontiert und ich lernte mehr und mehr eine eigene Meinung zu bilden und diese in Diskussionen zu vertreten, auch dann, wenn es nicht immer angenehm war.

Braver Streber oder cooler Aufmüpfiger?

Der Uebergang von der Kindheit zum Jugendalter wurde bei mir von sehr unterschiedlichen Gegebenheiten beeinflusst. Ich glaube, dass der Umstand, dass ich älter bin als meine Geschwister auf mich derart gewirkt hat, dass ich relativ früh erwachsen sein wollte, weil ich natuerlich meinen Geschwistern zeigen wollte, dass ich der reifere und gescheitere bin. Vielleicht war ich auch nur der Typ dazu, NICHT bei diversen Schabernack in der Schule mitzuwirken, sondern den besonnen zu „spielen“.

Beim Wechsel vom Kind sein zum Jugendlichem spielte bei mir auch der Umstand eine Rolle, dass es die Zeit war in der wir zu Hause die große Bauphase hatten. Unser altes Haus wurde abgerissen, und ein neues gebaut. Mein Beteiligtseinwollen an diesem Umbau setzte voraus, dass ich mir den Leuten am Bau mitreden konnte. Natuerlich wollte ich nicht als kindischer Getränke – traeger gesehen werden, sondern als erwachsener Mitarbeitender.

Ein weiteres Merkmal meines Übergangs von der Kindheit zur Jugend war, dass ich auf einmal kein Interesse mehr daran fand, meine Freunde aus der Schule zu Geburtstagspartys einzuladen. Mir waren solche Veranstaltungen einfach zu kindisch.

Probleme in dieser Zeit hatte ich keine wirklich herausragenden, jedenfalls kann ich mich an keine erinnern. Um den schulischen Aspekt wieder anzuschneiden war jedoch die Frage, ob man in der Schule als der brave Streber gesehen werden will, oder als der coole Aufmüpfige. Ich wählte in dieser Zeit einen Mittelweg, der zeitweise beide Extreme beruehrte. Als kurzzeitiges Problem kann ich noch anmerken, dass ich einmal dachte, ohne Freunde dazustehen. Das erwies sich doch Gott sei Dank sehr bald als falsch. Wahrscheinlich auf Grund des großen Verständnisses meiner Eltern, die für mich eine sehr entscheidende und wichtige Rolle in meiner Entwicklung spielten und teilweise nach wie vor spielen.


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