Übergänge II … Von der Kindheit zur Jugend

Ersatzmutter

Der Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein vollzog sich bei mir nicht schlagartig, sondern fließend über einen Zeitraum von ca. 10 Jahren hinweg bis zum Beginn des Studiums. Bis zum Alter von 10 Jahren würde ich mich wirklich als Kind bezeichnen, mit 10 Jahren wechselte ich die Schule und musste von diesem Zeitpunkt an selbständiger und eigenverantwortlicher werden. Mit 11 und 13 Jahren bekam ich zwei kleine Geschwister, was bedeutete, dass ich von nun an „die Große“ war. Meine Eltern hatten folglich weniger Zeit für mich und somit wurde ich sehr schnell „erwachsen“. Damit hatte ich aber keine größeren Probleme, weil ich es auch genoss, als selbständig und vernünftig von den Eltern betrachtet zu werden. Ich spielte auch immer öfter „Ersatzmutti“ und lernte schnell, mit dieser Verantwortung klarzukommen. Mit ca. 13 Jahren beschäftigte mich immer öfter meine Zukunft, weil ich nicht wusste, welchen Beruf ich ergreifen sollte. Bei all meinen Sorgen und Problemen standen mir jedoch meine Eltern und Freunde immer hilfreich zur Seite und unterstützen mich. Sicherlich hatte ich manchmal kleinere Reibereien mit meiner Mutter oder meinem Vater, jedoch kam ich im Allgemeinen gut mit ihnen aus und fühlte mich in meiner Familie sehr wohl. Zu den wichtigsten Personen in meinem Leben zählten bis zum Ende der Pflichtschulzeit meine Eltern und meine drei Geschwister.

Eine neuerliche Umstellung kam mit dem Ende der Pflichtschulzeit, denn zu diesem Zeitpunkt begann ich eine fünfjährige Ausbildung an der HLW Braunau. Ich fuhr zwar jeden Tag nach der Schule wieder nach Hause, verbrachte von nun an aber trotzdem viel Zeit in der Stadt und weniger in meinem kleinen Heimatort. Dies bedeutete, dass ich von nun an fast gänzlich auf mich alleine gestellt war und mich um alle außerhäuslichen Angelegenheiten selbst kümmern musste. Mit ca. 15 Jahren begann ich an den Wochenenden mit Freunden fortzugehen, wodurch man automatisch von Zuhause unabhängiger wird. Mit 16 Jahren fand ich auch meinen ersten Freund, der von nun an ein wichtiger Bezugspunkt in meinem Leben wurde. Diese Zeit war etwas problematisch, weil mich meine Eltern noch nicht „hergeben“ wollten und ich ihrer Meinung nach für einen Freund noch zu jung war. Dieser Konflikt legte sich jedoch nach kurzer Zeit wieder, da meine Eltern sahen, dass auch die Familie weiterhin einen sehr wichtigen Stellenwert in meinem Leben besaß.

Chaos pur

Mein Übergang von der Kindheit zur Jugend war im Nachhinein betrachtet „Chaos pur“. Am intensivsten war diese Zeit geprägt vom Ausprobieren verschiedenster unerlaubter Dinge. So probierte ich die erste Zigarette, kam mit Alkohol in Berührung und ging heimlich, unter dem Deckmantel bei einer Freundin zu schlafen, fort. Neugier und der Wunsch nach der Zugehörigkeit zu einer Gruppe, aber auch der Aufstand gegen die ältere Generation waren für diese, aus heutiger Sicht betrachtet, dummen Aktivitäten verantwortlich.

Auch meine Leistung in der Schule wurde dadurch beeinflusst. In der Volksschule war ich noch sehr brav, habe immer die Hausübung erledigt und war zu jedem Test oder zu jeder Schularbeit vorbereitet. Da ich schon immer sehr selbständig war, gab es diesbezüglich auch keine Kontrollen seitens meiner Eltern. In der Hauptschule wurde alles andere wichtiger. Beispielsweise bin ich, sobald ich von der Schule zu Hause war, schon wieder mit meinen Freundinnen unterwegs gewesen oder wir haben zumindest stundenlang telefoniert. Wir haben jede freie Minute miteinander verbracht. Denn schließlich waren ja nur diese in der Lage, die Situation, in der man sich befand zu verstehen. Die Erwachsenen hatten ja keine Ahnung vom Leben. Besonders mit meiner Mutter konnte ich kaum ein normales Wort wechseln, da ein Dialog immer zu einem Streit eskalierte. Allerdings hatte ich zu meinem Vater eine sehr gute Beziehung, weshalb mein Gewissen immer zwiespältig war. Einerseits wollte ich auch „cool“ sein und andererseits wollte ich aber meinen Vater nicht enttäuschen. Auch sahen wir die LehrerInnen als Feindbilder, die uns wie Kinder behandelten, und die sich immer in unser Leben einmischten, obwohl sie ja keine Ahnung davon hatten.

Hinsichtlich meiner Interessen gab es auch immense Verschiebungen. Bis zu meinem 13. Lebensjahr war mein größtes Hobby der Sport. Dies änderte sich aber auch schnell, da dies innerhalb meines Freundeskreises nicht mehr als „cool“ angesehen wurde. Zudem hatte ich immer das Gefühl, in der Zeit in der ich trainierte und meine Freunde aber etwas zusammen unternahmen, etwas zu versäumen. Ich richtete meine Aktivitäten und mein Verhalten nur mehr danach aus, was auch von den anderen gleichaltrigen akzeptiert wurde. Auch spielte in dieser Zeit das Aussehen und Auftreten eine wichtige Rolle. Beispielsweise fingen wir an uns zu schminken und Kleidung wurde immer wichtiger. Auch wurde das andere Geschlecht interessant.

Als ich mit 15 Jahren in ein Gymnasium wechselte, wo wir dann auch von den LehrerInnen wie Jugendliche behandelt wurden, war die Entwicklung von der Kindheit zur Jugend abgeschlossen, und ich lebte mein Leben wieder einigermaßen normal.


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