Übergänge … Von der Kindheit zur Jugend

Wahl zum Unterstufensprecher

Das wohl einschneidenste Ereignis in meiner frühen Jugend war ohne jeden Zweifel meine Wahl zum „Unterstufensprecher“ in der 2. Klasse Gymnasium. Durch diese Aufgabe wurde ich immer wieder in Entscheidungsprozesse (Schulausschuss etc.) eingebunden und konnte so meine Umwelt zum ersten Mal aktiv mitgestalten. Rückblickend betrachtet, fand ich im Grunde sehr schnell gefallen an dieser neuen „Freiheit“ mitbestimmen zu können.

Ich kann mich in diesem Zusammenhang noch genau erinnern, wie ich seinerzeit meinen Eltern erzählt habe, dass ich glaubte erwachsen zu werden, da ich auch endlich mitbestimmen kann wie ein Großer. Eine etwas naive Aussage, die meine Eltern zum schmunzeln brachte, aber durchaus seine Berechtigung fand. Bis heute empfinde ich es nämlich als ein Privileg der Erwachsenen, Verantwortung zu übernehmen und die Umwelt selbst mitzugestalten.

Natürlich hatte ich in diesen noch sehr jugendlichen Jahren einige Problemchen, welche mich doch immer wieder erkennen ließen, dass ich noch einige Entwicklungsstadien vor mir habe. So hatte ich zunächst das Problem, dass man mir, als dazumal 12 Jährigen, im Schulausschuss teilweise nicht die Ernsthaftigkeit entgegenbrachte, die ich mir erwartete. Entscheidungen wurden dann über die Köpfe der Schülervertreter hinweg entschieden. Derartige Situationen entmutigten mich zwar oft, und ich fühlte mich als Kind denunziert. Rückblickend betrachtet, waren es jedoch gerade diese Anekdoten,  welche in mir den Ehrgeiz geweckt haben.

Dieser Ehrgeiz führte auch zum nächsten Problem, mit welchem ich in dieser Zeit zu kämpfen hatte. Ich kam zusehends in den pubertären Prozess, in welchem ich grundsätzlich die Aussagen der Erwachsenen zu entkräften versuchte.  In einem Schulgremium, in welchem die Mehrzahl der Anwesenden erwachsen war, könnte man dieses Verhalten durchaus als kontraproduktiv bezeichnen.

Reflektierend betrachtet, war es vor allem dieses eine Ereignis, welches sich dahingehend in mein Bewusstsein eingebrannt hat, dass ich zum ersten Mal den Eindruck hatte, kein Kind mehr zu sein. Ich war der Meinung mich weiter zu entwickeln und mein Leben selbst in die Hand nehmen zu können, ohne auf die „Bevormundungen“ (im Munde der Erwachsenen als gute Ratschläge getarnt) Rücksicht nehmen zu müssen.  

Das Busfahren und die neue Stadt

Begonnen hat bei mir der Schritt in die Jugendzeit mit der Anmeldung ins das Gymnasium in Wels. Es war etwas ganz neues die gewohnte Umgebung zu verlassen, und mit dem Bus eine weitere Strecke zurückzulegen. Bis dahin kannte ich nur unseren Kindergarten und unsere Volksschule, die im vertrauten Ort lagen. Es war also für mich eine ziemliche „Erweiterung meines Horizonts“, selbständig und ohne Eltern in eine (für damals) große Stadt zu fahren. Zum Glück hatte ich noch 4 Freundinnen, die dieses Schicksal mit mir teilten. So konnten wir gemeinsam die auftretenden Schwierigkeiten lösen.

Wie ich aber schnell feststellen musste, war ich in einer reinen Mädchenschule gelandet. Das störte mich zu beginn der 4 Jahre Unterstufe noch wenig. Ich fand alles toll und aufregend, und bewunderte die Mädchen aus der Oberstufe, die so Erwachsen wirkten und immer toll angezogen waren. Spätestens im 2 Jahrgang stellte ich fest, dass es ohne Jungs doch ziemlich langweilig war. Vor allem deshalb, weil andere, gleichaltrige Mädchen die in gemischten Schulen unterrichtet wurden, von der „Gaudi“ mit den Jungs erzählten. Das ging mir ziemlich auf die Nerven, da wir in unserer Schule nicht so tolle Dinge erlebten.

So wurde das Busfahren dafür genutzt, diese Dinge nachzuholen. Der ganze Tag drehte sich oft nur darum, wer bei wem sitzen durfte, und vor allem in welcher Reihe. Es gab nämlich eine besondere Rangordnung, dass nur die älteren die letzte Reihe besetzten durften. Und wenn man es bis dorthin geschafft hatte, so konnte nichts mehr dieses Gefühl übertreffen.

Die Veränderungen gegenüber der Kindheit bestanden also darin, dass ich ganz plötzlich auf eigenen Beinen stehen, und die Schwierigkeiten des Alltags selber in die Hand nehmen musste. Und das in einer fremden Stadt mit fremden Menschen.

Das Busfahren und die neue Stadt brachten aber auch so manche Probleme mit sich. Plötzlich war es nicht mehr egal, wie man angezogen war. Da gab es Stadtkinder, die nur in einer Levi´s zur Schule kamen. Ich selber kannte bis dahin diese Jean nicht einmal –geschweige denn hätte ich eine gehabt. Es fing also damit an, dass man sich die Kleidung nicht mehr von Mama aussuchen ließ. Es war wichtig modern und neu eingekleidet zu sein. Es war ein sehr ungewohntes Gefühl, kritisiert und als „jung und klein“ abgestempelt zu werden. Vor allem weil man in der vierten Volksschule zu den Großen gehört hatte. Nun fing alles wieder von vorne an..


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